Event Details
IRONMAN Lanzarote 2017
Startdatum/Zeit:
Samstag, 20. Mai 2017
Beschreibung:

IRONMAN Lanzarote 2017

Der Ironman auf Lanzarote ist der älteste IM im europäischen Rennkalender und nach enthusiastischen Berichten von Jens, Christian und Olaf habe ich mich im Herbst 2016 dazu entschieden dieses bekannt harte Rennen auch unter die Füße zu nehmen. Das Ziel war klar, Hawaii-Quali für 2017.

Ich bin ja nun schön des öfteren recht knapp an einem Slot vorbei geschrammt und wusste, dass mit einem fokussierten Training meine Chancen recht gut stehen würden.

Das Training über den Winter lief erstaunlich gut und ich kam sogar ohne längere Krankheit davon. So wurden über den ganzen Winter eifrig Kilometer auf dem Rad, in den Laufschuhen und im Wasser gesammelt. Die Kacheln im Fössebad kenne ich inzwischen alle beim Vornamen. Im März noch ein traumhaftes Trainingslager auf Mallorca mit Lutz, ein sehr guter Test beim Duathlon in Weyhe, so ging ich topfit in die letzten Wochen der Vorbereitung.

Die Anreise nach Lanzarote war eine Woche vor dem Rennen, da ich wenigstens noch ein paar Tage der Akklimatisierung haben wollte. Unser kleiner Tross mit gefühlt 25 Gepäckstücken erreichte auch ohne Probleme das Ziel. Empfangen wurden wir von Lanzarote typischem Wind (WIND!!!) und Sonne.

Die ersten Radausfahrten haben mich sogleich das Fürchten gelehrt. Der Passat hat wohl eine Schippe drauf gelegt und so fuhr ich mit geplanter Wettkampfleistung und 25 km/h über die Insel. Das erste Mal in meinem Leben wünschte ich mir eine geringere Felgenhöhe. Die Abfahrten waren nicht zum Ausruhen geeignet, da ich mich ziemlich verängstigt an meinem Lenker festkrallte, um nicht einen Abflug in die Lava zu machen. So kam es, dass ich nach 2 Tagen ziemlich entmutigt Hanna einen vorzeitigen Rückflug vorgeschlagen habe. Wie sollte ich auf dieser Strecke ein Schnitt von knapp 33km/h erreichen, um die angepeilten 5:30h auf dem Rad zu schaffen? Unmöglich. Leider habe ich mich da im Kopf echt etwas überrumpeln lassen und der Stress sollte nicht folgenlos bleiben.

Dazu kam, dass ich die ganze Woche versucht habe, Urlaub mit Ironman-Vorbereitung zu verbinden, was nicht funktioniert hat. Das Spagat zwischen Familienurlaub mit Freunden und fokussierter Vorbereitung auf das Rennen ist mir schlicht missglückt und so kam es, dass ich in der Nacht auf Donnerstag (Rennen am Samstag) mit starken Halsschmerzen aufgewacht bin. Am nächsten Tag saß ich ziemlich betrübt mit einer ausgewachsenen Erkältung auf dem Sofa. Nach Besuch in der Apotheke, der Einnahme von literweise Ingwer-Knoblauch-Sud und anderen diversen Hausmitteln blieb mir nur die Hoffnung auf ein kleines Wunder. 6 Monate fast ohne Erkältung und nun sowas. Freitagabend vor dem Rennen kletterte meine Körpertemperatur knapp über 37° und ich überlegte ernsthaft abzusagen. Google hilft bei den diversen Suchanfragen wie „Ironman mit Erkältung“ auch nur bedingt weiter ;). Aber egal, zumindest an der Startlinie wollte ich stehen.

Am Rennmorgen habe ich mich ganz OK gefühlt. Das Adrenalin hat wiedermal gewirkt aber ich stand doch deutlich verschnupft in der Wechselzone. Die Vorstellung jetzt 10 Stunden Sport zu treiben habe ich mit „was mache ich hier eigentlich"-Gedanken quittiert. Aber versuchen wollte ich es wenigstens.

Schwimmen im Meer ist natürlich traumhaft. Meine Schwimmform war eigentlich top und so habe ich mich bei den Agegroupern in der ersten Reihe aufgestellt, um der nachfolgenden Schlägerei zu entgehen. Lanzarote hat als eines der letzten Rennen noch einen Massenstart, zusammen mit den Profis. Noch ein kurzes Gespräch mit einem jungen Finnen der AK 18-24 und los ging's. Der Rhythmus war schnell gefunden und alles lief soweit gut. Die Sonne ging traumhaft über der Insel auf und ratzfatz waren die 2 Runden geschwommen. Ich hatte einige Profis eingesammelt und vor mir lagen die berüchtigten 180km des Ironman Lanzarote.

Mit dem Wattmesser vor Augen bin ich eher konservativ los, habe mich gut verpflegt und habe besonders an den Anstiegen darauf geachtet, nicht zu überziehen. Sogleich kamen von hinten einige Profis und auch Agegrouper mit gefühlten 400 Watt vorbei gerauscht. Aber wenn ich eines gelernt habe bei der Langdistanz, dann ist es, mein eigenes Rennen zu machen. Der Wind hatte sich glücklicherweise auf Normalmaß reduziert und so spulte ich die Kilometer ab. Auch bei Anstiegen mit Gegenwind und 10km/h habe ich versucht, stur auf den Wattmesser zu gucken. Eine Strategie, die sich in diesem Rennen extrem bezahlt gemacht hat. Gerade mit frischen Beinen ist es an Anstiegen sehr einfach, viel zu hohe Leistung zu bringen.

Nach der Halbzeit in der Nähe von Famara lag mein Schnitt bei 33km/h und ich war ganz guter Dinge. Nun ging es Richtung Mirador del Rio, in teilweise lächerlich langsamen Geschwindigkeiten. Hinten ein 25er Ritzel ist das mindeste, wer hier nicht schieben möchte. Am Berg wurde ich konstant überholt, aber die Abfahrten gehörten mir! Die Abfahrt vom Mirador war ein Genuss und mit 75km/h ging es wild zurück Richtung Meer. Hier habe ich zahlreiche Athleten einsammeln können. Auch waren nun 120km erreicht und die ersten mussten für Ihre Anfangsleistungen bezahlen. Von Jens und Olaf wusste ich, dass man nun unbedingt noch was im Tank haben musste. Ich fühlte mich zwar lange nicht mehr taufrisch, jedoch konnte ich auf der folgenden 30km langen geraden Autobahn noch einige Athleten einsammeln. Inzwischen musste der Kopf ziemlich arbeiten. Die Straße breit, die Sonne gnadenlos von oben und weit und breit kein Mensch zu sehen. Wieder habe ich mich dankbar auf meine Zahlen konzentriert. Ein letzter Anstieg mit gruselig schlechtem Straßenbelag, bevor die letzte wilde Abfahrt Richtung Puerto del Carmen und T2 anstand. Die geplanten 5:30h würden knapp, also nochmal Vollgas und in teilweise halsbrecherischen Kurven Richtung Laufstrecke. Die Anstrengung war jetzt deutlich zu spüren aber ich habe mich besser gefühlt als 2016 in Frankfurt, so dass ich auf einen anständigen Marathon hoffte, geplant war 3:20-3:25h. Nach 5:28h habe ich mein Rad abgestellt und halte das für meine beste je erbrachte Radleistung. Platz 2 oder so in der AK und Hawaii in Reichweite. Auf der Laufstrecke war es inzwischen (leider) extrem heiß geworden, bekanntermaßen mein Achillesferse. Im Wechselzelt meldete sich mein Belastungsasthma aber ich wollte ohne Spray durchs Rennen (bin ja kein Doper...gell Timo;). Die Hoffnung, dass sich das beim Laufen legen würde aber auch eine leichte Angst hinter dem Flughafen in der Wüste zusammen zu klappen begleiteten mich auf den ersten Kilometern.

Die Beine waren ganz gut, und bald hatte ich mich auf einer Pace von 4:46min/km eingependelt. Die Laufstrecke bestand dieses Jahr aus 2 Runden, einer großen mit 30km Länge und einer kurzen mit 12km. Die erste Runde nach Arecife ist teilweise sehr trist, heiß und einsam. So langsam rückten von hinten die schnellen Läufer heran, aber ich wusste, dass ich mit der aktuellen Pace einen guten Mara hinlegen würde. Ungefähr bei der Halbmarathonmarke zogen die ersten Zeichen des bevorstehenden Dramas auf. Die Pace sprang auf 4:47min/km und dann auf 4:48min/km bei gleicher Anstrengung.

Leider darf in Lanzarote nichts von außen angereicht werden. Meine vorbereitete Eigenverpflegung war auf dem Gabentisch unauffindbar (absolutes Chaos) und so musste ich mich mit lauwarmem verdünntem Redbull energetisch über Wasser halten. Aber ein dickes Lob an die Freiwilligen an den Verpflegungsstationen, die waren super drauf und hatten viel Spaß und haben sich richtig angestrengt jedem zu helfen. Gerade im Bereich Verpflegung auf der Laufstrecke ist Lanzarote aber nicht sehr gut organisiert und insgesamt ist das amateurhafte Verhalten von Ironman manchmal sehr erschreckend! Ich war im Vorfeld des IM beim Pro-Briefing und habe teilweise laut lachen müssen, wegen der mangelhaften Organisation. Aber ich schweife ab...

Bei km 30 war mein Marathon dann besiegelt. Die Hitze hatte mich (mal wieder) besiegt. Energetisch, haben mir „meine“ Gels gefehlt. Das angebotene Zeug von Powerbar habe ich kaum runter bekommen. Dann kam das Seitenstechen und die ersten Gehpausen. Die Gedanken ans Aufgeben waren nun sehr stark! Aber die blöde Finisher-Medaille wollte ich haben und so stolperte ich Richtung Ziellinie , die ich nach 10:06h erreichte. Für Lanzarote eine ganz gute Zeit, aber natürlich nicht genug für Hawaii. Der letzte Spot meiner AK ging mit 9:58h weg, also mal wieder unter 10min, die gefehlt haben. 100m vor dem Ziel überholte mich noch der junge Finne, mit dem ich an der Startlinie gequatscht hatte. Mir war aber inzwischen alles ziemlich egal und ich wollte nur noch kalt duschen, jede Menge Eis essen und schlafen.

Ich habe mich dann noch kurz mit einem sehr geknickten Jesse Thomas (3. Platz Profis) unterhalten und war doch froh, mit diesem brutalen Sport nicht meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Der krönende Abschluss des Tages war dann noch ein platter Reifen am Mietwagen, der gewechselt werden musste.

Was soll ich sagen, insgesamt bin ich irgendwie enttäuscht, aber auch froh, das Rennen mal gemacht zu haben. Mit dem Chaos davor und danach (Pina und Hanna waren die letzten Urlaubstage krank) verlief alles irgendwie viel zu schnell und der Höhepunkt des Rennens blieb aus. Ich werde zu diesem IM nicht zurück kehren, da ich realistisch sein muss und die Hitze einfach nicht meins ist. Zumindest nicht auf der LD. Aber für jemanden, der einmal Ironman machen möchte kann ich das Rennen nur empfehlen. Es ist wahnsinnig hart, aber dabei unglaublich schön. Und es ist ehrlich, da bei ständigem Wind v.a. von der Seite nur sehr wenig Windschattenfahren möglich ist. Im Gengensatz zu Lanzarote kommt mir der IM Frankfurt nun wie ein Kindergeburtstag vor...;).

Gefühlt ist meine Saison nun vorbei, obwohl diese in Deutschland ja erst begonnen hat. Wir sehen uns dieses Jahr hoffentlich noch an oder auf den Rennstrecken. Allen die das lesen eine erfolgreiche und v.a. gesunde Saison.

Fabian Delong


Verwaltet durch:
H.Hessan, erstellt am: 06.06.2017