Event Details
U12 Potsdam Sanssouci Pokal 2019
Startdatum/Zeit:
Sonntag, 9. Juni 2019
Beschreibung:

U12 Potsdam Sanssouci Pokal 2019

In aller herrgottsfrühe (06:30 Treffen / 07:00 Abfahrt) machten wir uns mit den Altersklassen von U8 – U14 auf nach Potsdam. Die Reise verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und wir erreichten die Sportanlagen in Potsdam gegen 11:00 Uhr.

Die U12 war leider nur mit 8 Spielern angereist, aber wir hatten wieder Unterstützung von Adrian und Julian (vom SV Odin) sowie von Eneko und Felix aus Egesdorf, so dass wir dann doch eine schlagkräftige Truppe zusammen hatten. Ein großes Dankeschön an die 4 Gastspieler.

Das Wetter stimmte, der Zeltaufbau funktionierte ebenfalls einwandfrei und nachdem wir dann alle angekommen waren ging es auch schon mit einer sehr herzergreifenden Turniereröffnung los. Rugby ist nicht nur ein fairer Sport sondern auch einer, der keine Grenzen kennt und keine Ausgrenzung von Andersgläubigen, Andersfarbigen und Andersdenkenden. „Bunt statt braun und gegen Rassismus“, war das Motto des Turnieres in Potsdam.

Mit einer 30 minütigen Verspätung ging es dann für unsere U12 endlich los. Unser erster Gegner war eine Spielgemeinschaft aus Hennigsdorf und Osnabrück. Unsere Zebrafohlen waren zwar noch etwas müde von der langen Anfahrt, gaben aber dennoch mächtig Gas und schlugen die SG ungefährdet mit 25:05.

Das zweite Spiel war schon eine große Herausforderung den es ging gegen den Berliner Rugby Club (rot). Auch hier zeigte Victoria ein super Spiel mit einer großen mannschaftlichen Geschlossenheit und echtem Lindener Kampfgeist. Zwar kassierten wir einige Gegenversuche, zwängten unserem Gegner aber unser Spielsystem auf und waren überwiegend in Ballbesitz. Am Ende gingen die Rugger von der Fösse, völlig verdient mit einem 35:15 als Sieger aus dem Spiel hervor.

Im letzten Spiel des Tages mussten wir gegen  ein Team aus Bremen, die aber alle HRC Trikots trugen, nochmals die letzten Kraftreserven aus dem Hut zaubern. Auch hier gelangen tolle Aktionen und viele schnelle Bälle wurden mit noch schnelleren Händen immer wieder bis auf die Ecke herausgespielt. Ich hatte mir für dieses Turnier vorgenommen, möglichst wenige bis gar keine Anweisungen ins Spiel hineinzubrüllen und meine Stimme zu schonen. Die Kinder sollten einfach mal „Freischnauze“ zeigen, was sie im Laufe der Saison gelernt hatten. Und dieses gelang dem Team, angeführt durch Kapitänin Paula, in dieser Partie  überragend. Scheren, Zebrabälle und auch einige Kicks gelangen in eindrucksvoller Art und Weise. Während die Trainer von Bremen am Spielfeldrand von beiden Seiten oftmals komplett unterschiedliche Anweisungen ins Feld brüllten und die Kinder damit mehr verunsicherten als zu unterstützen (Geh gerade durch von links und los pass doch den Ball von rechts), konnte ich in aller Ruhe genießen, wie das Uhrwerk aus Linden, präzise und störungslos funktionierte. Am Ende ging das Spiel ziemlich deutlich mit 45:05 für die Löwen und Löwinnen von der Fösse aus.

Fazit: Alle Gruppenspiele souverän gewonnen, Stimme geschont und mit stolzgeschwellter Brust den Einzug ins Achtelfinale gemeistert. Somit gehörten wir schon an dieser Stelle zu den besten 8 Teams von 14 Mannschaften in der Altersklasse U12. Ich war wirklich beeindruckt von der Performance und dem Spielwitz unserer U12.

Auch die Dritte Halbzeit wurde von Victoria dominiert, so konnte man in nächtlicher Atmosphäre das Linden Lied in Potsdam erschallen hören. Dieses wurde sogar von den Kindern, die brav in ihren Zelten schlummerten in etwa 700 Meter Luftlinie Entfernung gehört. Gut man kann natürlich nicht alles gewinnen und so ging der Sängerstreit ziemlich klar als Punktesieg an die Mannen vom SV Odin.

Die Jungs von der Graft fühlten sich durch das Linden Lied dermaßen inspiriert, dass sie anschließend mehr als nur ein Rugby Lied zum Besten gaben. Die Trainer und Betreuer aus Hamburg konnten mit einen „Auf der Reeperbahn nachts um Halb-Eins, diddelliddeldut“ zwar auch einige Pünktchen sammeln, wurde hinter Odin und Victoria aber deutlich Dritter und Letzter des Gesangs-Battle.

Nach einer sehr kurzen Nacht ging es bereits am nächsten Morgen um 09:35 für unsere Fohlen weiter. Aus organisatorischen und zeitlichen Gründen, wurden die Achtelfinal Partien als KO Spiele durchgeführt, so dass nur der Gewinner weiterkommen konnte und der Verlierer ausschied, bzw. keine weiteren Platzierungsspiele mehr hatte.
Auch für diesen sehr heißen Sonntag hatte ich mir erneut vorgenommen meine Stimme zu schonen und die Kids einfach machen zu lassen. Doch da hatte ich die Rechnung wohl ohne den Wirt gemacht. Ich würde mal glatt behaupten, dass dieses die Mutter aller Spiele war und ich bisher noch niemals ein solch spannendes und packendes U12 Spiel miterleben durfte. Das war „Rugby at its best“, „à la bonne heure“, „superduperextraklasse“.

Beide Teams zeigten hartes kampfbetontes Angriffsrugby, bei gleichzeitiger exzellenter Verteidigungsarbeit. Als Lindener Buttjer, sah ich natürlich klare Vorteile bei Victoria, die auch überwiegend in Ballbesitz waren und fast alle Bälle blitzschnell auf die Außen spielte. Wir gingen dann auch verdient mit 05:00 in Führung, mussten in der zweiten Halbzeit dann aber durch einen groben Verteidigungsfehler den Gegenversuch zum 05:05 hinnehmen. Dieses war auch der Spielstand nach Ablauf der regulären Spielzeit. Somit ging es in eine zweimal 3 minütige Verlängerung. Ich habe geschwitzt, gebrüllt, getobt und gewütet und außer meiner Girls und Boys alles andere komplett ausgeblendet. Doch es blieb bei dem Ergebnis von 05:05.

Nun musste erstmal Rücksprach mit der Turnierleitung gehalten werden. Ich hatte schon große Angst, dass RK 03 zum Sieger erklärt werden würde, da wir unglücklich eine gelbe Karte kassiert hatten. Nach einigem Hin und Her, wurden dann abermals zweimal 3 Minuten Spielzeit, allerdings im „Sudden Death Modus“ ausgespielt. (Das Team welches den ersten Versuch legen würde, hätte automatisch gewonnen und das Spiel wäre beendet gewesen.)

Doch ein Versuch ließ auf sich warten. Unsere Lindener Löwenherzen kämpften ohne Ende und verausgabten sich komplett und hatte nur ein Ziel: „Ein Versuch muss her, koste es was es wolle.“ 10 Sekunden vor Ablauf der Zeit kam es dann zu einem Durchbruchsversuch der Berliner, der jedoch kurz vor der eigenen Mal-Linie, durch ein gutes Tackling gestoppt wurde. Der getakelte Spieler, lag mit Ball am Boden schaute nach dem Schiedsrichter und robbte dann in Richtung Malfeld, um den Ball kurz vor der Linie abzulegen. Der Schiedsrichter, welcher selbst einem Herzinfarkt nahe war, blies in seine Pfeife, hob den Arm und gab den Versuch zugunsten des RK 03 Berlin.

Das war nie und nimmer nur eine Bewegung mit dem Ball am Boden und in keiner Weise hatte der Ball, die fehlende Mal-Linie überquert. Als echter Rugbyspieler weiß man sich natürlich zu benehmen und kennt die Regel, dass Schiedsrichterentscheidungen wortlos zu akzeptieren sind. Somit waren wir ausgeschieden und Verlierer eines der Achtelfinale. Ich hätte es zu gerne gesehen, dass die Kinder sich für ihre tollen Leistungen über die gesamte Dauer des Turniers selbst belohnt hätten, aber so ist nun mal Sport. Wir erhielten den allergrößten Respekt auch von den gegnerischen Spielerinnen und Spielern, den Zuschauern und Betreuern und Trainern. Und alle waren sich darüber einig, dass dieses das Spiel des Turnieres war. Selbst das spätere Finale konnte hier nicht gegen anstinken. Über die Dauer des Tages wurde ich immer wieder von RK 03-lern angesprochen, auf die Schulter geklopft, mit wehleidigen Blicken betrachtet aber auch aufgemuntert.

Die Kinder waren verständlicherweise sehr enttäuscht und alle brachen, nach dem Sports-Gruß  in Tränen aus (siehe Foto: die enttäuschten Blicke beim Sports-Gruß) Auch ich als Trainer verdrückte die eine oder andere Träne, die sich ihren Weg unter dem Deckmantel der Sonnenbrille in die Freiheit suchen wollte. Ein eigentümliches Gefühl, welches nur wahre Sportler nachvollziehen können, die lichterloh für ihre Sportart brennen und an ihr Team glauben.

Die Kinder waren auch minutenspäter noch nicht einmal bereit, sich mit einem Eis trösten zu lassen. Nur 3 von 11 Kindern konnten zu einem erfrischenden Eis überredet werden. Doch wir wären nicht, wer wir sind, wenn wir uns nicht nach einer halben Stunde wieder eingekriegt hätten. Den Rest des Tages verbachten wir damit unser U14, die ebenfalls ein Super 7er Turnier gezeigt hat, anzufeuern.

Schade nur dass es keine Platzierungsspiele, oder zumindest eine rechnerische Platzverteilung gegeben hat, was zur Folge hatte, dass alle Teams, die nicht unter den ersten 4 waren, bei der Siegerehrung gar nicht erwähnt wurden. Aufgrund unserer sehr guten Spiele, dem Punkteverhältnis und unter Berücksichtigung des Bonus-Punkte-Systems, wären wir wohl 5. geworden.

Sei‘s drum, Mund abwischen, Kopf hoch, Blick nach Vorn und einfach weitermachen.
Ich war nicht nur beeindruckt, sondern auch unglaublich stolz auf EUCH ALLE!!!!!!!! Und ein ganz kleines bisschen auch auf mich selbst, schmunzeln.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Ralf, für die spitzenmäßige Organisation im Vorfeld, aber auch Nachfeld, der Potsdam-Fahrt bedanken. Selbstverständlich auch bei Bianca, Heike, Jens und Lale. Ich persönlich hätte es sehr schön gefunden, wenn einer der Jugendleiter diese Fahrt persönlich begleitet hätte, aber was nicht ist, kann ja noch werden ;-) Auch einen großen Dank an alle mitgereisten Eltern, insbesondere an Andreas Thiem für die hervorragenden Fotos und die Mutter von Valerius, ohne die einige der Victorianer wohl noch heute nach ihrem Zelt suchen würden.

Tim Holzapfel

 

 

 


Verwaltet durch:
Oliver Gust, erstellt am: 29.03.2019