Nachbetrachtung Saison 25/26 Rugby-Herren

Eine der sicherlich schwierigsten Saisons der letzten Jahre dürfte hinter uns liegen. Nicht nur aus sportlicher Sicht.  

Nach der Ligareform war die Vorfreunde, auf eine starke 2 Bundesliga Nord, groß. Wenn wir uns rückblickend die Ergebnisse der Staffel anschauen, konnte hier tatsächlich augenscheinlich Jeder Jeden schlagen. Unter anderen Umständen hätten wir hier sicherlich gut mitmischen können.

Bereits die Vorbereitung stand schon unter keinem guten Stern. Mit Ludwe Booi konnte zwar ein neuer südafrikanischer Trainer gefunden werden. Dieser steckte aber lange in der Visumsfalle fest. Mit Matthew, Lameck und Mwaka konnten drei afrikanische Spieler aus dem FSJ-Programm „ergattert“ werden, allerdings hat sich Lameck in seinem letzten Spiel in Sambia so schwer verletzt, dass von Anfang an klar war, dass er den Kader in dieser Saison nicht würde verstärken können. Die Mannschaft war nun zunächst auf sich gestellt, hat die Situation aber gut angenommen und das Training selbst organisiert.

Natürlich ist das alles andere als eine optimale Saisonvorbereitung. Es wird ja nicht nur an Kondition und Skills gearbeitet, sondern der Trainer soll in dieser Zeit auch aus seiner Sicht die Stärken der Spieler fördern, Schwächen abstellen, ihnen Sicherheit und Vertrauen in sich selbst geben, den möglichst stärksten Kader zusammenstellen und einen matchplan im Kopf haben.

Glücklicherweise konnte Timur gewonnen werden, um der Mannschaft in dieser Phase der Saison zur Seite zu stehen und die ersten Spiele, von der Seitenauslinie, zu begleiten.

Dann war es endlich soweit. Wir konnten Ludwe an der Fösse begrüßen. Ein wahrer Glücksfall für den Verein und die Mannschaft. Nicht nur aus sportlicher Perspektive, sondern auch menschlich. Was er in den wenigen Wochen, bis zur Winterpause, aus den Spielern gemacht hat war unglaublich. Seine Handschrift war schnell zu erkennen und seine Ansprachen an das Team haben innerhalb kürzester Zeit Wirkung gezeigt. Nicht auszudenken, was vielleicht gewesen wäre, wenn er bereits zur Saisonvorbereitung da gewesen wäre.

Aber da kennt der Sport keine Gnade. Was in der Vorbereitung versäumt wird, kann später nicht mehr vollumfänglich aufgeholt werden.

Nach der Winterpause das gleiche Spiel. Kein Visum, keine Vorbereitung mit Trainer, die Mannschaft muss es wieder alleine richten. Dann endlich eine Einreisegenehmigung und einen Tag vor dem geplanten Abflug erreicht uns die Hiobsbotschaft vom Tod des noch so jungen Trainers.

Unser damit verbundenes Schicksal ist natürlich nicht vergleichbar mit dem, was seine Familie aushalten muss. Dennoch ist auch unsere kleine Victoria-Welt zusammengebrochen. Mannschaft und Rugbyabteilung unter Schock. Alles auf Null. Ein Jahr, das für diese Trainerverpflichtung benötigt wurde, umsonst. Unendlich viele Stunden einiger Vorstandsmitglieder und des Teammanagements für die Katz.

Ohne zu Zögern stand sofort Jens Brömer zur Verfügung, um das Training bis zum Saisonende zu leiten. Keine Selbstverständlichkeit.

Zweimal Training in mannschaftlicher Eigenverantwortung, danach Einstellen auf Timur und Jens. Auch wenn man sich gut kennt ist das keine einfach zu lösende Aufgabe. Für beide Seiten.

Durften wir, unter diesen schwierigen Vorzeichen, nun mehr als den erreichten Tabellenplatz erwarten? Erhoffen auf jeden Fall. Und bei aller Enttäuschung der manchmal zu vielen technischen Fehler, die uns immer wieder um mehr und häufig auch verdiente Punkte gebracht haben, müssen wir vor der Mannschaft den Hut ziehen. Nicht einmal wurde sich öffentlich beklagt oder der Verein und die verantwortliche Führungsriege in Frage gestellt. Es konnte durchaus unterschieden werden, dass wir uns nicht eigenverschuldet in eine ausweglose Situation manövriert haben, sondern, dass wir auf das, was uns widerfahren ist, keinerlei Einfluss nehmen konnten.

Im Gegenteil: die Trainingsbeteiligung war gut, junge Spieler haben sich toll integriert, die Grundstimmung blieb positiv und sie selbst haben immer an sich geglaubt.

Aber eine parallele Entwicklung im Hinblick auf die kommende Saison sollte tunlichst vermieden werden. Es hilft nichts: es muss ein Trainer her, der seine Arbeit sofort zur geplanten Saisonvorbereitung aufnimmt. Die Mannschaft braucht diese Sicherheit und eine Konstante im Trainings- und Spielbetrieb, auf die sie sich einstellen und verlassen kann. Nur so wird es möglich sein spielerisch wieder einen Schritt nach vorne zu gehen.

Keine leichte Aufgabe für die Verantwortlichen. Aber ihr könnt sicher sein, dass seit der Todesnachricht, alles getan wird, alle Kanäle angezapft werden, um die Lücke schnell zu schließen und zeitnah eine ideale Lösung zu präsentieren.

Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir in dieser Saison, bis auf unsere afrikanischen Gastspieler, nur Eigengewächse auf dem Platz hatten. Das ist etwas, auf das wir unglaublich stolz sein können. Wir wissen aber auch, dass wir uns dafür nichts kaufen können. Denn, wie immer im Sport, zählen nur Punkte und Erfolge. Und das muss eben stimmen, um uns für Sponsoren und Spieler attraktiv zu machen oder zu bleiben.

Der TSV Victoria Linden dankt:

  • der Rugby-Herrenmannschaft, dass sie trotz aller Widrigkeiten zusammengehalten und die Vereinsfarben immer stolz vertreten hat
  • Florian und Steffen für ihre aktive Zeit in der 1. Reihe bei und mit uns
  • Timur uns Jens als Retter in der Not. Unbezahlbar.
  • Laurin für sein erstes Jahr als Teammanager, dass ihm gleich alles abverlangt hat
  • Benne für die harte Arbeit in der Teambetreuung
  • Lale für ihr erstes Jahr als verantwortliche Physio
  • dem Vorstand für das unermüdliche Ankämpfen gegen alle Windmühlen der Welt
  • allen Helfern der Spieltage. Ohne euch geht gar nichts.
  • allen Sponsoren, dem Förderkreis, dem Club 1000, sonstigen Gönnern und Unterstützern
  • allen Fans, dass ihr immer zahlreich an der Seitenlinie steht, egal was ist und auch vor Auswärtsfahrten nicht zurückschreckt.

Und auch für die nächste Saison gilt: Zusammenhalten!

Simone Stein